Ausstellung: 10. Juli bis 19. September 2010, donnerstags und freitags 14 bis 20 Uhr, samstags und sonntags 10 bis 20 Uhr, U - Zentrum für Kunst und Kreativität, Leonie-Reygers-Terrasse, Dortmund
Rudolf Preuss
Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft
Raum 5.225
Emil-Figge-Straße 50
44227 Dortmund
Tel: (0231) 755-7183
Das "Dortmunder U" wurde am 28. Mai 2010 als Zentrum für Kunst und Kreativität feierlich eröffnet. Doch nicht nur das ehemalige Brauereigebäude erhält eine neue Identität. Die gesamte Umgebung des Dortmunder Wahrzeichens im Stadtteil Westend ist in einem beschleunigten Tempo im Wandel begriffen.
Viele Baustellen prägen das Bild entlang der Rheinischen Straße – bunte Neuanstriche der Häuserfassaden, Straßensanierungen, frisch gepflanzte Bäume, Brachen und leer stehende Gewerberäume. Der Bereich zwischen Westentor und Dorstfelder Allee wurde zum Stadterneuerungsgebiet erklärt. Gleichzeitig ist Westend von heterogenen sozialen Strukturen geprägt. Der bürgerlich geprägte Raum rund um den Westpark, sozialer Wohnungsbau und viele kleine Gemeinschaften unterschiedlicher Nationen machen die Identität des Westends aus. Immer mehr Künstler, Freiberufler und Studierende richten sich hier ein. Die Nähe zum Stadtzentrum und günstige Mietpreise steigern die Attraktivität des für lange Zeit der Vergessenheit anheim gefallenen Stadtteils. Das neue "Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität“ wird künftig ebenfalls dazu beitragen. Doch wie erleben die Anwohnerinnen und Anwohner des Westends die rasanten Veränderungen ihres Viertels? Kennen sie das Konzept hinter dem neuen Zentrum der Kunst und Kreativität, das bald das Museum Ostwall im Dortmunder U beherbergen wird? Werden sie das Kultur- und Bildungsangebot in ihrer Nachbarschaft wahrnehmen?
Das Ziel des Projektes U-Westend ist es, das Interesse der Anwohnerinnen und Anwohner für das neue Zentrum der Hochkultur zu wecken und das "Dortmunder U“ in das Stadtumfeld einzubinden. Dabei liegt der Fokus auf folgenden kulturpolitischen Inhalten:
Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft und der Fakultät Raumplanung der Technischen Universität Dortmund, dem Museum Ostwall im Dortmunder U, dem Verein für baukulturelle Bildung Jugend Architektur Stadt (JAS) e. V. und der Jugendkunstschule balou e. V. Darüber hinaus kooperieren die Projektträger mit fünf Dortmunder Schulen: der Hauptschule Innenstadt-West, der Tremonia Förderschule, der Elsa-Brändström-Grundschule, dem Max-Planck-Gymnasium und dem Leibniz Gymnasium. Im Rahmen des Kunstunterrichts sammeln Kinder und Jugendliche ihre Eindrücke vom Stadtteil und nehmen die Rolle der Kulturforscher im Westend ein. Eine Auseinandersetzung mit dem Wohnviertel in den Projekten "Experiment Spurensicherung", "Die andere Seite", "Westend Impressionen", "Mapping U-West" und "Inside Westend" soll das Bewusstsein der jungen Generation für ihr Umfeld stärken und sie befähigen, die aktuellen Veränderungen städtebaulicher und sozialer Strukturen zu erkennen und zu hinterfragen. Häufig haben die Jugendlichen einen anderen Blick auf ihre Umgebung als Erwachsene.
Einen Blick von außen auf das Westend bieten die im Rahmen des Projektes gestalteten Kunstkurse für Kinder und Jugendliche von balou e. V. und dem Ostwall Museum im Dortmunder U: "Video: Wahrnehmung eines fremden Ortes", "Von Umwegen, Unorten und Utopien" sowie "Westend Story". Eine weitere Projektpartnerschaft wurde mit dem Tamilischen Bildungs- und Kulturzentrum an der Rheinischen Straße entwickelt, das Sprach- und Musikunterricht für Kinder und Jugendliche der tamilischen Gemeinde anbietet. In Zusammenarbeit mit JAS e. V. nehmen Jugendliche tamilischer Herkunft ab Februar 2010 im Rahmen von "Reise nach T." an Workshops teil, in denen sie eine Reisekarte entwickeln, die den Besuchern des Dortmunder Westends Einblicke in die tamilischen Orte des Viertels gewährt.
An der Technischen Universität Dortmund fand im Wintersemester 2009/10 ein projektbegleitendes Seminar statt, das die Studierenden im Fach Kunst aktiv in das Projekt einband. Sie begleiteten den Unterricht an den beteiligten Schulen und entwickelten auch eigene künstlerische Projekte im Westend.
Der in Köln lebende Foto- und Videokünstler Martin Brand führt im Rahmen von U-Westend das Kunstprojekt "Westend Portraits" im öffentlichen Raum zu Jugendlichen und deren Alltagskultur durch. Hierbei geht er den Fragen nach: Wo halten sich die Jugendlichen auf? Welche Treffpunkte sind angesagt? Womit verbringen sie ihre Freizeit? Wofür interessieren sie sich? Wie sehen sie ihre Zukunft?
U-Westend mündet schließlich in einer zweimonatigen Ausstellung im "Dortmunder U – Zentrum für Kunst und Kreativität", die vom 10. Juli bis 19. September 2010 auf der Hochschuletage des Zentrums präsentiert wird. Alle Beobachtungen der Schüler werden dort als Zeichnungen, Fotografien, Animationsfilme oder in anderen Medien Ausdruck finden. Auch das Musikvideo sowie die filmischen und fotografischen Portraits von Martin Brand werden in der Ausstellung vorgestellt. Das Projekt ist ein Teil von Mapping the Region, einem Ausstellungsprojekt der RuhrKunstMuseen (RKM) anlässlich der Kulturhauptstadt Ruhr.2010.