08. September 2010, TU Dortmund
Dr. Beate Schmuck
Emil-Figge-Str. 50
44227 Dortmund
Raum 5.240
Tel: (0231) 755-2905
Was denken Menschen, die aufgrund ihrer Kleidung alle Blicke auf sich ziehen? Schülerinnen und Schüler der Dortmunder Max-Born-Realschule können diese Erfahrungen am 8. September selbst machen. Während eines Workshops im Rahmen des Kulturhauptstadtprojekts "Burka-Konfrontationen: Fremdgänge und Fremdblicke im urbanen und regionalen Raum" vermitteln ihnen Lehramtstudierende die Bedeutungen von Interkulturalität und Kleidung in unserem Alltag.
Eine Schülerin der Max-Born-Realschule konfrontierte im Rahmen eines Workshops im Wintersemester 2009/2010 die Studierenden auf dem Campus mit einer Burka.
In der H-Bahn und der Mensa – überall wird man am 8. September auf dem Campus in Burka gekleidete Schüler antreffen. Unter Anleitung von Lehramtsstudierenden, die in einem zweitägigen Kompaktseminar der Projektreihe "Fremdgänge – Fremdblicke: Transdifferente kulturdidaktische Bewegungen im eigenen Raum" des Seminars für Kulturanthropologie des Textilen auf den Workshop vorbereitet wurden, sollen die Jugendlichen die Reaktionen der Passanten auf dem Campus untersuchen. Experimente der beteiligten Studierenden im vergangenen Winter- und Sommersemester auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt, in S- und U-Bahnen sowie während des "Still-Leben Ruhrschnellweg“ auf der A40 haben bereits gezeigt, dass die Reaktionen sehr heftig ausfallen können. Die meisten Passanten sehen dieses muslimische Kleidungsstück als Symbol für die Unterdrückung der Frau im Islam oder als Zeichen der Überfremdung in Deutschland.
Als weiterer Themenschwerpunkt wird es während des Workshops um die politischen Diskussionen zum Thema Burka-Verbote in verschiedenen europäischen Ländern wie Frankreich und Belgien gehen. Mithilfe von Koranauslegungen, Vergleichen zu Textstellen im Alten Testament, historischen Reiseberichten, u.v.m. soll den Schülern zusätzlich deutlich gemacht werden, dass die Burka keine Erfindung der Taliban ist und Europäer bereits im 18. Jahrhundert in Reiseberichten über diese Form der Ganzkörperverhüllung berichteten.
Die teilnehmenden Lehramtsstudierenden, die die Gedanken zur interkulturellen Erziehung im Textilunterricht in die Schulen tragen werden, können wichtige Anregungen für den eigenen Umgang mit Interkulturalität im Unterricht erhalten.